Wie genau fördert die Bauchlage mein Baby?
In meiner letzten Reflexion bin ich bereits darauf eingegangen, dass «tummy time» die motorische Entwicklung von Babys unterstützt. In diesem Text möchte ich genauer die Mechanismen beleuchten wie die Bauchlage Babys in ihrer Entwicklung auf ganz verschiedene Arten fördert:
Kopfform:
Während in Rückenlage viel Druck auf dem noch weichen (Hinter-)Kopf lastet, lädt die Bauchlage ein den Kopf zu heben und in alle Richtungen zu bewegen. Neben der direkten Entlastung hilft der Zug der arbeitenden Nackenmuskeln eine symmetrische Kopfform zu fördern und bestehende Asymmetrien bilden sich schneller zurück.
Aufrichtung:
Geboren wird ein Baby mit einer C-förmig gerundeten Wirbelsäule, noch weit entfernt von der Doppel-S-Krümmung der Wirbelsäule eines Erwachsenen. Die Form der Wirbelsäule verändert sich in den ersten Lebensjahren als Reaktion auf Muskelaktivität und motorische Meilensteine (Kopf heben, sitzen, krabbeln, laufen). In der Bauchlage beginnt das Baby zunächst seinen Kopf gegen die Schwerkraft zu heben, bringt die Hände vor den Körper und stützt sich auf die Unterarme. Später stützt sich das Kind dann mit durchgestreckten Armen auf die offenen Handflächen. Durch dieses Training der Muskelketten des Nackens, Rückens und der Bauchmuskeln ist das Kind in der Lage mobil zu werden.
Kopfkontrolle und Gleichgewicht:
Für die Entwicklung unserer Sinnesorgane Augen, Ohren und Gleichgewichtsorgane ist eine gute Kopfkontrolle unerlässlich. Um beispielsweise sicher fokussieren zu können brauchen die Augen eine stabile Kopfhaltung. Und diese wird genau dann eingeübt, wenn der Kopf nicht von der Unterlage gehalten wird. Unsere Gleichgewichtsorgane üben durch unterschiedliche Stimuli im Zusammenspiel mit den motorischen Zentren des Gehirns unser Gleichgewicht. In Bauchlage bekommen diese Zentren durch den erhöhten Bewegungsumfang mehr Input.
Augenentwicklung und Auge-Hand-Koordination:
In der Bauchlage ist der Kopf in einem optimalen Abstand zum Boden um dort Gegenstände zu erkennen und zu fokussieren. Auch die eigenen Hände können so optisch wahrgenommen werden, was die Koordination fördert und die Tiefenwahrnehmung ab dem vierten Monat schult. Erst mit fünf bis sechs Monaten können Babys weiter entfernte Gegenstände scharf sehen und somit auch in Rückenlage mehr entdecken auch ohne, dass sich eine andere Person aktiv mit ihnen beschäftigt.
Verdauung:
Viele Säuglinge mit Verdauungsbeschwerden liegen besonders gerne auf dem Bauch. Der sanfte Druck der dabei auf den Bauch ausgeübt wird kann helfen Blähungen zu lösen und die Verdauung zu fördern. Die in der Bauchlage geübte Kraft und Muskel- und Faszienketten des Halses unterstützt zusätzlich die Koordination des Saugens und Schluckens was unter anderem die Ursachen von Reflux bei Babys bekämpfen kann. Wenn Ihr Baby am Liebsten in Bauchlage einschläft können Sie in seiner Nähe bleiben bis es eingeschlafen ist und es dann sanft auf den Rücken drehen.
Nasenatmung und Zungenkoordination:
Die Aktivität der Rumpf-, Hals- und Zungenmuskulatur in Bauchlage führt dazu auch einen guten Ruhetonus zu entwickeln und hilft Mundatmung vorzubeugen sowie die Koordination der Zunge beim Saugen und Schlucken zu verbessern. Damit verschlucken sich Babys weniger. Vor allem auch Babys mit einem verkürzten Zungenband profitieren von dieser Koordinationsübung. Ausserdem übt die Zunge das Training der Hals- und Zungenmuskulatur in Ruhe an ihrer Position am Gaumen zu liegen was das Oberkieferwachstum begünstigt.
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Schon ein Neugeborenes kann und soll in Bauchlage gelegt werden. In den ersten 2 Wochen können Sie zunächst das Baby auf Ihre Brust legen, im Fliegergriff tragen oder im Sitzen auf Ihre Oberschenkel legen. Ansonsten sollte die Bauchlage am besten auf einer harten flachen Unterlage auf dem Boden geübt werden damit Kopf und Arme nicht einsinken.
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Starten Sie mit 20-30 Sekunden-Einheiten bei einem Neugeborenen, wenn Ihr Baby lernt den Kopf abzulegen und sich auszuruhen wird es auch direkt weniger anstrengend. Versuchen Sie tagsüber in allen Wachphasen mindestens einmal Ihr Baby in die Bauchlage zu drehen.
Ab dem 3. Monat sollte Ihr Baby einige Minuten in Bauchlage aushalten können, versuchen Sie über den Tag insgesamt auf 15-30 Minuten zu kommen. Ab dem 6.Monat hat Ihr Baby mehr Kraft, kann wahrscheinlich auch rollen und sich selbst auf den Bauch drehen. Hier darf es auch eine volle Stunde pro Tag sein oder sogar die Hälfte der Wachphasen.
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Nicht aufgeben! Umso früher man die Bauchlage zu einer normalen Position macht, umso leichter für alle Beteiligten. Versuchen Sie die Bauchlage dynamisch zu gestalten, ab 2-3 Monaten können Sie ihr Baby immer wieder über die Seite drehen, auf den Bauch drehen und dann auf die andere Seite drehen, so sind die Zeiten, die es ruhig in Bauchlage liegt kürzer.
Wenn ihr Baby sich immer direkt beschwert, versuchen Sie es nicht direkt hochzunehmen. Sie können Ihre Hand auf seinen Rücken legen, mit ihm reden und Spielzeug oder Ihr Gesicht zum beobachten anbieten. Ihr Kind lernt sonst schnell, dass es durch kurzes Meckern aus der etwas anstrengenden Position befreit wird. Natürlich müssen Sie nicht ihr weinendes Kind in der Bauchlage liegen lassen, aber versuchen Sie die Zeiten in Bauchlage langsam länger werden zu lassen.
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12.2025, Clara Nürnberger